Samstag, 9. März 2019

Malte Vief: Musikalische Bilder

Heute gab es im Gemeindezentrum St. Jakobi virtuose Gitarrenmusik vom Feinsten: der Leipziger Gitarrist Malte Vief kam mit fünf unterschiedlichen Gitarren nach Schönebeck.


Der aus Norddeutschland stammende Gitarrist, der jetzt in Leipzig zu Hause ist, sagt über sich selbst, "ich komme eigentlich aus dem Bereich der klassischen  Musik, die ich aber auch erst richtig durch das Gitarrenspiel kennengelernt habe".

Heute Abend stellte Malte Vief sein neues Solo-Album "Musikalische Bilder" vor. Kompositionen, die durch seine kleinen Geschichten, die er über den Anlass seiner Musik erzählt, eine beinahe bildhafte Verständlichkeit erlangen. So gleich beim ersten Stück, "Glück": Malte Vief spricht über das Glück eines Musikers Musik zu machen, spielt tief in sein Spiel versunken sehr kräftige Akkorde, lässt zur Begleitung der Bassseiten (die zuerst gespielte Gitarre ist eine tiefer gestimmte Bariton-Gitarre und hat zudem eine zusätzliche siebte, noch tiefere Saite) die Melodien perlen – ja, so kann man sich das Glück eines Musikers vorstellen. Zu anderen Stücken ließ er sich durch seine beiden Söhne inspirieren. "Die Geburt der Kinder, sie in ihren ersten Monaten zu erleben, das alles war eine sehr tiefe, intensive und andächtige Erfahrung", sagte er. Musikalisch umgesetzt in komprimierten und intensiven musikalischen Impressionen, zarten und anrührenden Klängen. Das Spiel der Kinder, vielleicht auch manche Auseinandersetzung, klang in "Brüder" an, das dann deutlich kräftiger klang.

Seine Musik, seine Eigenkompositionen spielt Malte Vief ebenso virtuos wie beiläufig leicht, wenn er darin verschiedene Stile mischt und auch Folklore-Elemente einfügt. Etwa wenn er von Reisen nach Skandinavien berichtet, nach jenseits des Polarkreises, im Sommer wie im Winter. "Dass dort die Sonne im Sommer nicht untergeht, weiß man zwar. Aber das selbst zu erleben, in dieser weiten Landschaft zu sitzen, war großartig. Und im Winter ist es ähnlich beeindruckend". Musikalisch umgesetzt in langsam-balladenhaften Klängen, mit Melodien wie man sie aus schwedischen Volksliedern kennt.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Capriccio

Am Valentinstag sorgte Capriccio für rockige Klänge. Die Zwei-Mann-Band aus Sängerin Sabine Waszelewski und Gitarrist Klaus-Jürgen Dobeneck brachte in ihrem Programm "Rocklegenden" ihre eigene Auswahl der wichtigsten großen Rocktitel im restlos ausverkauften Gemeindezentrum St. Jakobi Schönebeck auf die Bühne.
Sabine Waszelewski – Gesang, Gitarre
Klaus-Jürgen Dobeneck – Gitarre, Flöte, Gesang

Als die beiden auf die Bühne kommen, erinnert Sabine Waszelewski scherzhaft an den Anlass des Konzertes: "Woran merkt man, dass man alt ist? Wenn man am Valentinstag nichts besseres zu tun hat als Musik zu machen" sagte sie und hatte damit die Lacher des nicht mehr ganz jungen Publikums auf ihrer Seite, vor allem, als sie hinzusetzte, "aber ihr seid ja heute auch hier". Immerhin sind ja auch die Musiker der originalen Musikstücke inzwischen auch schon in hohem Alter: "Wenn man Rocklegende sein will, muss man entweder alt oder schon tot sein". Unter diesen Rocklegenden waren Uriah Heep, Joe Cocker, The Eagles, The Beatles (und auch deren einzelne Musiker), Eric Clapton, The Stones und Abba.    

Gespielt werden Titel, die wohl jeder kennt, mitunter auch in Variationen, die wiederum von anderen als den originalen Musikern eingespielt wurden. Zwischen den Titeln gibt Sabine Waszelewski  immer wieder Anmerkungen, die die Musik in die Zeitgeschichte einordnen, an die Geschichte der Bands erinnern oder auch Hintergründe zu den Titel lieferten. So etwa zu "House of the rising sun" – hätten Sie gewusst, dass sich hinter dem Haus in New Orleans ein Freudenhaus verbarg?

Samstag, 19. Januar 2019

Mit Sex & Crime durchs Altersheim

Jürgen Fliegel und Bernhard Biller von der Leipziger Theaterkompanie brachten in ihrem Kabarettprogramm die Probleme des älter werdens und des älter seins ebenso auf die Bühne wie die spitzbübische Freude daran, als Alte auch mal überlegen zu sein und dem Leben ein Schnippchen zu schlagen.


Der Humor der beiden, die in immer wieder neuen, unterschiedlichen Rollen auf die Bühne des Gemeindezentrums kommen, ist oft von einer kräftigen und direkten Art. Der Herkunft der Schauspieler entsprechend ist oft auch eine Spur Sächsisch dabei, das zu einer vertrauten Verbundenheit der Rollen mit dem überwiegend älteren Publikum führt. Man merkt, dass den Zuschauern die Probleme des Alters und des älter werdens bekannt sind. Man merkt aber auch, dass diese herzlich darüber lachen können. Und das ist sicher das Beste, was man in jeder Lebenslage machen kann. Egal ob die beiden alten Herren Schmidt und Walther am Stock gehend die Bühne betreten und "Stöcke hoch, jetzt geht es rund" singen, der "Clemens mit der Demenz" als ehemaliger Schlagerstar auftritt (und seinen Text genau dort vergißt, wo ihn das Publikum sofort wie von selbst ergänzt und weitersingt) oder die flotte Frau Sengelblech zum "Table-Dance in der Seniorenresidenz" singt und ihr Bein lasziv um den Gehstock schlingt – von Anfang haben Biller und Fliegel die Lacher des Publikums fest auf ihrer Seite.  

Eher unterschwellig kommen auch ernsthaftere Fragen in das Programm, etwa wenn sich zwei Rentner im schwarzen Kapuzenpulli aufmachen, "Mehr Rente für alle!" an die Wand zu sprühen, dann aber überlegen, ob damit auch die gemeint sind, die schon zu viel haben. Oder wenn ein Abgeordneter der PDGJ, der Partei der Goldenen Jahre, in einer Bundestagsrede die Bedürfnisse der Alten einfordert. Die zwar auch mal albern sein können, wie verkürzte Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln ("so lange haben wir nicht mehr Zeit"), aber auch so notwendig wie etwa verlängerte Grünphasen an Fußgängerampeln.

Sonntag, 6. Januar 2019

Bläserkonzert zum Dreikönigsfest

Der Bläserkreis der Ev. Landeskirche Anhalts (Leitung: Steffen Bischoff) gab in St. Jakobi Schönebeck ein festliches Konzert zu Weihnachten und Epiphanias. Das Konzert für Blechbläser, Orgel und Schlagwerk war für die vielen Besucher in der beinahe bis zur letzten Reihe gefüllten Schönebecker Jakobi-Kirche ein musikalischer Ausklang der Weihnachtszeit.
Trompeten: Matthias Kranz, Andreas Köhn, Carsten Miseler, Steffen Klimmt, Andreas Oltersdorf, Ute Köhn, Debora Zschucke, Steffen Bischoff
Posaunen: Johanna Neumann, Matthias Köhn, Andreas Neumann, Florian Zeller, Matthias Neumann
Tuba: Clemens Miseler
Schlagwerk: Alexander Neumann, Simon Köhn
Orgel: Carsten Miseler
Blick auf die Orgel von St. Jakobi

Von der Empore herab waren die Bläser mit einem kräftigen Choralsatz zu hören. Unterstützt von der Orgel, deren hohe Töne hell über den Blechbläsern schwebten und deren dicke Holz- und Blechpfeifen einen mächtigen Bass-Bordunton bildeten, und begleitet von kräftigen Paukentönen erklang eine festlich jubelnde Musik. Klänge wie zum Einzug eines hohen Herrschers komponiert. Und in der Tat passt dieses Bild auch zum Festtag, an dem der Überlieferung nach gleich drei Könige in Bethlehem erschienen.

Nach dem Werk des Offenburger Komponisten Traugott Fünfgeld (geb. 1971), einem Satz aus seiner Symphonischen Suite für Bläser, Orgel und Pauken, gab es musikalische Erinnerungen an die vergangenen Weihnachtstage. Weihnachtslieder, teils zum mitsingen, teils auch in ungewohnten und interessant modernen Bearbeitungen (wie zum Beispiel Vom Himmel hoch in der Version von Max Reger) standen neben Bachs Chorälen. Engel auf den Feldern singen klang wie eine Pastorale, bei der die Engel von Glockenklängen unterstützt wurden. Und bei Ich steh an Deiner Krippen hier waren mir im Geiste die Worte so präsent, als würde tatsächlich auch noch ein Chor dazu singen. Herrlich!

Samstag, 15. Dezember 2018

Gunther Emmerlich

Am Vorabend des dritten Advent trat der Sänger Gunther Emmerlich gemeinsam mit der Schönebecker Kantorei bei einem Adventskonzert in St. Jakobi Schönebeck auf.
Gunther Emmerlich – Bass, Moderation
Jeanne Pascale Schulz – Sopran
Johann Plietzsch – Trompete
Sabina Herzog – Violoncello, Gesang
Matthias Suschke – Orgel, Klavier
Klavier – Susann Beyer
Kantorei und Kinderchor, Leitung Carsten Miseler

Der aus dem Fernsehen bekannte Sänger und Moderator Gunter Emmerlich führte viele Besucher in das Adventskonzert. Die Jakobikirche in Schönebecks Altstadt war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Emmerlich kam aber nicht nur allein, sondern hatte sich einige Begleitmusiker mitgebracht – und vor allem auch die Schönebecker Kantorei und den Kinderchor mit einbezogen. Für die Schönebecker Sängerinnen und Sänger war dieses Konzert ein Höhepunkt des Konzertjahres, für den sie schon ab September geprobt hatten.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Fredi Fröschki – Baumgeister

"Baumgeister" nennt der Magdeburger Fotograf Fredi Fröschki die Gesichter von Menschen, Tieren oder Fabelwesen, die er in der Natur findet. Vor allem alte Baumstämme, Rinde , verwittertes Holz bieten ihm immer wieder Gelegenheit für seine Fotos. Heute wurde seine Ausstellung von Baumgeeistern im Gemeindehaus von St. Jakobi Schönebeck eröffnet.

Fredi Fröschki spricht mit einer Besucherin
über Details seiner Fotografien.

Wäre sein Jahrgang, 1946, nicht in den Informationen zur Ausstellung zu lesen, so würde man Fredi Fröschki sein Alter nicht ansehen. Seinen Gesprächspartner blickt er mit freundlichen Augen an und erzählt über seine Fotos. Dass er als Fotograf bereits Ende der 80er Jahre einen Bildband über Magdeburg zusammengestellt hat, der 1990 veröffentlicht wurde. Dass er immer wieder durch seine Heimatstadt Magdeburg streift, die Kamera in der Hand. Und dass er den Blick gerne auf die kleinen Details richtet. "Ich habe mitunter Fotos von Details Magdeburger Gebäude veröffentlicht, bei denen mich Leute fragten, wo denn das sei. Wenn ich dann 'Du gehst dort jeden Tag vorbei' sagte, wollten sie mir das kaum glauben". Inzwischen gehört auch die Fotografie in der Natur zu seinen fotografischen Vorlieben. Seine Frau ergänzt dazu, "wenn man mit ihm spazieren geht, dann heißt es oft 'halt mal kurz an, ich muß ein Foto machen'. Und dann weiß ich, er hat mal wieder ein Stück Holz oder einen Baum gefunden". Solche unscheinbaren Stückchen Natur sind es, auf die Fredi Fröschki seinen Blick richtet und in denen er seine Baumgeister sieht. "Selbst in kleinen Dingen entwickeln sich eigene Welten", sagt er und regt an, auch selbst genauer hinzu sehen.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Colum Sands

Heute war der irische Musiker Colum Sands in der Kirche St. Jacobi in Schönebeck zu erleben: Musik von der grünen Insel mit aktuellen Texten und Geschichten.


St. Jakobis Pfarrer Johannes Beyer kündigt den Sänger an als jemanden, von dem er schon zu DDR-Zeiten eine Platte hatte und über den er damals dachte "wenn ich groß bin, dann hole ich ihn zu einem Konzert". Und ergänzte augezwinkernd "und nun bin ich groß ...". Schon die Begrüßung der Konzertbesucher durch Colum Sands, ein einfaches, freundliches "good evening, my friends", wird zum ersten Song des Iren, der darin von seiner Reise berichtet, von den Flughäfen mit ihren Kontrollen, von den Konzerten, und vom deutschen Sommer, der so anders ist als der irische. In seiner sympatischen Art zu singen und mit seiner Mischung aus Englisch und Deutsch, wenn er erzählt, nimmt er das Publikum von Anfang an für sich ein.

Das Konzert ist keines der rein traditionellen irischen Folk Music. Wohl aber in deren Tradition, in einfachen Liedern und Melodien Geschichten zu erzählen. Und da erweist sich Colum Sands auch als Philosoph, der über den Sinn des Lebens nachdenkt, der seine Zuhörer fragt, "muss man immer arbeiten?", der erklärt "Immer fleißig zu sein ist auch eine Art Faulheit. Man ist dann zu faul – oder nimmt sich nicht die Zeit – die schönen Dinge zu betrachten". Und singt vom "Lazy hill", auf dem er einfach unter einem Baum sitzt.

Colum Sands berichtet von seiner Heimat, "irgendwo an der Grenze zwischen Nord Irland und der Republik Irland", und sagt über diese gerade jetzt in der großen Politik sehr relevante Gegend, "diese Grenze brauchen wir nicht". Das Misstrauen hatten wir dort lange genug, singt er in einem Lied. Wenn er in seinen Songs Landschaften beschreibt, mit einfachen, verständlichen Texten, dann schafft er es, in den Gedanken der Zuhörer Bilder zu erzeugen. Seien es Bilder von Haus und Fluss ("like the Elbe here") oder wenn er Migranten beschreibt, die seit tausenden Jahren von Afrika nach Europa kommen: Schwalben die auf den Telefondrähten einer Telefonzelle am Rande der Wüste sitzen. Nach Deutschland kommen sie, um dort ihr Nest zu bauen. Und er berichtet von seiner Tochter, die ihm, als sie 10 Jahre alt war, auf die Frage antwortete, wo für die Menschen zu Hause ist: "dort wo die Kinder geboren werden".  "Nur können manche Menschen dort nicht bleiben", sagt er dem Publikum und widmet das nächste Lied den Tausenden, die auf den Ozeanen dieser Welt unterwegs sind.