Sonntag, 6. Januar 2019

Bläserkonzert zum Dreikönigsfest

Der Bläserkreis der Ev. Landeskirche Anhalts (Leitung: Steffen Bischoff) gab in St. Jakobi Schönebeck ein festliches Konzert zu Weihnachten und Epiphanias. Das Konzert für Blechbläser, Orgel und Schlagwerk war für die vielen Besucher in der beinahe bis zur letzten Reihe gefüllten Schönebecker Jakobi-Kirche ein musikalischer Ausklang der Weihnachtszeit.
Trompeten: Matthias Kranz, Andreas Köhn, Carsten Miseler, Steffen Klimmt, Andreas Oltersdorf, Ute Köhn, Debora Zschucke, Steffen Bischoff
Posaunen: Johanna Neumann, Matthias Köhn, Andreas Neumann, Florian Zeller, Matthias Neumann
Tuba: Clemens Miseler
Schlagwerk: Alexander Neumann, Simon Köhn
Orgel: Carsten Miseler
Blick auf die Orgel von St. Jakobi

Von der Empore herab waren die Bläser mit einem kräftigen Choralsatz zu hören. Unterstützt von der Orgel, deren hohe Töne hell über den Blechbläsern schwebten und deren dicke Holz- und Blechpfeifen einen mächtigen Bass-Bordunton bildeten, und begleitet von kräftigen Paukentönen erklang eine festlich jubelnde Musik. Klänge wie zum Einzug eines hohen Herrschers komponiert. Und in der Tat passt dieses Bild auch zum Festtag, an dem der Überlieferung nach gleich drei Könige in Bethlehem erschienen.

Nach dem Werk des Offenburger Komponisten Traugott Fünfgeld (geb. 1971), einem Satz aus seiner Symphonischen Suite für Bläser, Orgel und Pauken, gab es musikalische Erinnerungen an die vergangenen Weihnachtstage. Weihnachtslieder, teils zum mitsingen, teils auch in ungewohnten und interessant modernen Bearbeitungen (wie zum Beispiel Vom Himmel hoch in der Version von Max Reger) standen neben Bachs Chorälen. Engel auf den Feldern singen klang wie eine Pastorale, bei der die Engel von Glockenklängen unterstützt wurden. Und bei Ich steh an Deiner Krippen hier waren mir im Geiste die Worte so präsent, als würde tatsächlich auch noch ein Chor dazu singen. Herrlich!

Das musikalische Finale kam dann wieder von Fünfgeld, der vierte Satz seiner Symphonischen Suite. Diesmal eine sehr fröhliche Musik, mit Anklängen an Swing, Jazz, karibische Klänge und Western-Melodien – auch so kann neue Musik klingen. Im Konzert standen die Musiker im Rücken des Publikums neben der Orgel. Deshalb kamen sie später herab in den Altarraum, um dort direkt vor dem Publikum stehend noch zwei Zugaben zu spielen. Ein großartiges Konzert!

Andreas Janßen aus Dessau, Landesposaunenobmann der Landeskirche Anhalt, sprach in seiner Andacht über „Suchet Frieden und jaget ihm nach“, die Jahreslosung der evangelischen Kirche. "Frieden – welch ein schöner Wunsch – und welch manchmal so unerreichbarer Zustand", sagte er und warf den Blick vom großen Weltgeschehen auf das eigene Umfeld: "wie leicht ist es dagegen, einen Streit mit seinem Nachbarn vom Zaune zu brechen".  Und auch einen anderen, interessanten Aspekt betrachtete Janßen: „Die Losung klingt ein wenig nach sportlicher Herausforderung“, sagte er, nach Anstrengung, nach etwas, wofür man etwas tun muss. Letztlich steht für ihn immer die einfache Frage „Warum ist es denn so schwer, Frieden zu finden?“. Verbunden mit dem Aufruf zu mehr gegenseitiger Toleranz schlug er vor, vielleicht gleich mit dem Frieden mit dem eigenen Nachbarn anzufangen.

Für Schönebecks Kantor Carsten Miseler ist die Musik solch ein Mittel zur Verständigung. Und auch ein Teil der Verkündigungsarbeit, wie er erklärte. Das Bläserkonzert sieht er zugleich als Auftakt für die Landesposaunentage, die er in diesem Jahr nach Schönebeck geholt hat. „Vom 24. bis 26. Mai wird es hier viele Bläserkonzerte geben,“, kündigte er an, „auch an der Elbe auf dem Salzblumenplatz“.  Dann auch wieder mit den Anhalter Bläsern aus Dessau, mit denen Miseler als gebürtiger Dessauer seit Urzeiten verbunden ist. "Alle 14 Tage proben wir", sagte er. Wir dürfen also schon auf den Mai gespannt sein.

Zurück zum Anfang des Artikels: auch wenn für viele das Weihnachtsfest spätestens mit dem Besuch der Heiligen Drei Könige endet, die einst Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten: Genau genommen dauert die Weihnachtszeit sogar noch bis 40 Tage nach dem ersten Weihnachtstag, bis zum 2. Februar. Für Schönebecker: das ist so lange, bis im Nachbarort Glinde Lichtmess gefeiert wird.

Der Bläserkreis der Ev. Landeskirche Anhalt
vor der Orgel der Schönebecker St.-Jakobi-Kirche
Pfarrer Johannes Beyer, St. Jakobi
Pfarrer Andreas Janßen, Landesposaunenobmann
der Ev. Landeskirche Anhalt
Hunderte Konzertbesucher in der Jakobikirche
sangen die Weihnachtslieder mit
Die Zugaben gab es im Blickfeld des Publikums

Samstag, 15. Dezember 2018

Gunther Emmerlich

Am Vorabend des dritten Advent trat der Sänger Gunther Emmerlich gemeinsam mit der Schönebecker Kantorei bei einem Adventskonzert in St. Jakobi Schönebeck auf.
Gunther Emmerlich – Bass, Moderation
Jeanne Pascale Schulz – Sopran
Johann Plietzsch – Trompete
Sabina Herzog – Violoncello, Gesang
Matthias Suschke – Orgel, Klavier
Klavier – Susann Beyer
Kantorei und Kinderchor, Leitung Carsten Miseler

Der aus dem Fernsehen bekannte Sänger und Moderator Gunter Emmerlich führte viele Besucher in das Adventskonzert. Die Jakobikirche in Schönebecks Altstadt war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Emmerlich kam aber nicht nur allein, sondern hatte sich einige Begleitmusiker mitgebracht – und vor allem auch die Schönebecker Kantorei und den Kinderchor mit einbezogen. Für die Schönebecker Sängerinnen und Sänger war dieses Konzert ein Höhepunkt des Konzertjahres, für den sie schon ab September geprobt hatten.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Fredi Fröschki – Baumgeister

"Baumgeister" nennt der Magdeburger Fotograf Fredi Fröschki die Gesichter von Menschen, Tieren oder Fabelwesen, die er in der Natur findet. Vor allem alte Baumstämme, Rinde , verwittertes Holz bieten ihm immer wieder Gelegenheit für seine Fotos. Heute wurde seine Ausstellung von Baumgeeistern im Gemeindehaus von St. Jakobi Schönebeck eröffnet.

Fredi Fröschki spricht mit einer Besucherin
über Details seiner Fotografien.

Wäre sein Jahrgang, 1946, nicht in den Informationen zur Ausstellung zu lesen, so würde man Fredi Fröschki sein Alter nicht ansehen. Seinen Gesprächspartner blickt er mit freundlichen Augen an und erzählt über seine Fotos. Dass er als Fotograf bereits Ende der 80er Jahre einen Bildband über Magdeburg zusammengestellt hat, der 1990 veröffentlicht wurde. Dass er immer wieder durch seine Heimatstadt Magdeburg streift, die Kamera in der Hand. Und dass er den Blick gerne auf die kleinen Details richtet. "Ich habe mitunter Fotos von Details Magdeburger Gebäude veröffentlicht, bei denen mich Leute fragten, wo denn das sei. Wenn ich dann 'Du gehst dort jeden Tag vorbei' sagte, wollten sie mir das kaum glauben". Inzwischen gehört auch die Fotografie in der Natur zu seinen fotografischen Vorlieben. Seine Frau ergänzt dazu, "wenn man mit ihm spazieren geht, dann heißt es oft 'halt mal kurz an, ich muß ein Foto machen'. Und dann weiß ich, er hat mal wieder ein Stück Holz oder einen Baum gefunden". Solche unscheinbaren Stückchen Natur sind es, auf die Fredi Fröschki seinen Blick richtet und in denen er seine Baumgeister sieht. "Selbst in kleinen Dingen entwickeln sich eigene Welten", sagt er und regt an, auch selbst genauer hinzu sehen.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Colum Sands

Heute war der irische Musiker Colum Sands in der Kirche St. Jacobi in Schönebeck zu erleben: Musik von der grünen Insel mit aktuellen Texten und Geschichten.


St. Jakobis Pfarrer Johannes Beyer kündigt den Sänger an als jemanden, von dem er schon zu DDR-Zeiten eine Platte hatte und über den er damals dachte "wenn ich groß bin, dann hole ich ihn zu einem Konzert". Und ergänzte augezwinkernd "und nun bin ich groß ...". Schon die Begrüßung der Konzertbesucher durch Colum Sands, ein einfaches, freundliches "good evening, my friends", wird zum ersten Song des Iren, der darin von seiner Reise berichtet, von den Flughäfen mit ihren Kontrollen, von den Konzerten, und vom deutschen Sommer, der so anders ist als der irische. In seiner sympatischen Art zu singen und mit seiner Mischung aus Englisch und Deutsch, wenn er erzählt, nimmt er das Publikum von Anfang an für sich ein.

Das Konzert ist keines der rein traditionellen irischen Folk Music. Wohl aber in deren Tradition, in einfachen Liedern und Melodien Geschichten zu erzählen. Und da erweist sich Colum Sands auch als Philosoph, der über den Sinn des Lebens nachdenkt, der seine Zuhörer fragt, "muss man immer arbeiten?", der erklärt "Immer fleißig zu sein ist auch eine Art Faulheit. Man ist dann zu faul – oder nimmt sich nicht die Zeit – die schönen Dinge zu betrachten". Und singt vom "Lazy hill", auf dem er einfach unter einem Baum sitzt.

Colum Sands berichtet von seiner Heimat, "irgendwo an der Grenze zwischen Nord Irland und der Republik Irland", und sagt über diese gerade jetzt in der großen Politik sehr relevante Gegend, "diese Grenze brauchen wir nicht". Das Misstrauen hatten wir dort lange genug, singt er in einem Lied. Wenn er in seinen Songs Landschaften beschreibt, mit einfachen, verständlichen Texten, dann schafft er es, in den Gedanken der Zuhörer Bilder zu erzeugen. Seien es Bilder von Haus und Fluss ("like the Elbe here") oder wenn er Migranten beschreibt, die seit tausenden Jahren von Afrika nach Europa kommen: Schwalben die auf den Telefondrähten einer Telefonzelle am Rande der Wüste sitzen. Nach Deutschland kommen sie, um dort ihr Nest zu bauen. Und er berichtet von seiner Tochter, die ihm, als sie 10 Jahre alt war, auf die Frage antwortete, wo für die Menschen zu Hause ist: "dort wo die Kinder geboren werden".  "Nur können manche Menschen dort nicht bleiben", sagt er dem Publikum und widmet das nächste Lied den Tausenden, die auf den Ozeanen dieser Welt unterwegs sind.

Sonntag, 10. Juni 2018

Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde

Am Sonntag wurde in der Schönebecker St.-Jakobi-Kirche das sechzigste Jubiläum des Sinfonieorchesters Magdeburger Musikfreunde gefeiert – mit einem Konzert, das sich hören lassen konnte.

Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde
unter Leitung von Gero Wiest

Das Orchester wurde 1958 als „Collegium Musicum“ gegründet, in dem inzwischen Profis und ambitionierte Laien vom Handwerker bis zu Ärztin, von der Studentin bis zum Rentner spielen. Die Bezeichnung Laien-Orchester wäre bei dem vollen Klang des Orchesters ein großes Stück zu tief gestapelt. Und auch die Bezeichnung „Magdeburg“ im Namen ist nicht ganz zutreffend, schließlich spielen dort auch einige Schönebecker mit. Das war Anlass dafür, ein Konzert der Saison auch in Schönebeck zu spielen, zum siebten Mal schon in St. Jakobi.

Das Konzert fand mit Unterstützung der Schönebecker Softwarefirma Social Map statt. Diese übernahm  die Kosten der Aufführung und stellte im Gegenzug die Eintrittsgelder dem Verein „Teddy-Wünsche“ aus Calbe zur Verfügung, der schwer kranken Kindern Wünsche erfüllt. Pfarrer Johannes Beyer brachte zur Begrüßung eine große Sparbüchse in Teddy-Form mit und rief die Besucher dazu auf, darin die Spendensumme weiter zu erhöhen. An den 60. "Geburtstag" des Orchesters anspielend fragte er in die Runde, ob wohl noch jemand aus dem Gründungsjahr mitspiele. Nein, die müssten jetzt wohl alle über 80 sein – so alt war dann doch keiner der Musiker.

Für das Konzert zum sechzigsten Jubiläum hatte Dirigent Gero Wiest schon in der vergangenen Saison angekündigt: „da versuche ich, Werke von Leonard Bernstein in den Mittelpunkt zu stellen, der 2018 einhundert Jahre alt geworden wäre“. Ganz unkomplizert war das nicht, vor allem, weil das Ausleihen der Noten für die Bernstein-Werke sehr teuer ist. "Das wird nach Monaten berechnet und wir als Orchester von Hobbymusikern brauchen dann doch länger als ein Profiorchester für die Proben", erklärte Gero Wiest. "Etwa ein halbes Jahr brauchten wir die Noten. Zum Glück kam uns der Verlag da etwas entgegen, indem er für Laienorchester eine andere Preisstaffel anbietet". Mit den Proben begann das Orchester im Januar, mit wöchentlichen Terminen und einem ganzen Probenwochende.

Vor Bernstein stand aber – trotz sommerlicher Hitze – Robert Schumanns Frühlingssinfonie auf dem Programm. Das mit wuchtigen Klängen beginnende Werk erwies sich als eine ebenso festliche wie fröhliche Musik mit einigen bekannten Melodien, und zwischendrin schienen auch Vogelstimmen in die Musik eingebaut zu sein.

Die Musik aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ bildete einen kräftigen Kontrast zu den romantischen Klängen. Musik im Bigband-Sound füllte die Kirche, zum (wenigstens gedanklichen) Mitsingen geeignet und mit dem begeisternden „America“ als Finale.

Sonntag, 18. Februar 2018

John Lennons letzte Jahre – musikalische Lesung

Unter dem Titel "John Lennons letzte Jahre" gab es heute im Saal des Gemeindezentrums eine musikalische Lesung, mit
Achim Amme – Lesung
Volkwin Müller – Gitarre
Achim Amme (links) und Volkwin Müller

Achim Amme, Schauspieler und Buchautor aus Hamburg, brachte die bei Droemer erschienene John-Lennon-Biographie des britischen Journalisten Philip Norman mit und ließ sich bei der Lesung musikalisch von Volkwin Müller, dem Singer/Songwriter aus Detmold begleiten.

Achim Amme, der die Episoden aus Lennons Biographie nicht einfach nur las, sondern passend dazu immer auch Lennons persönliche Hintergründe erläuterte, zeigte sich als genauer und sensibler Beobachter der Lebensumstände des Sängers. Schließlich kann in zwei Stunden Programm nur ein kleiner Teil wiedergegeben werden – Amme schaffte es, in der knappen Zeit den Bogen von Lennons Umzug nach New York bis hin zu seinem tragischen Tod zu schlagen.

Sonntag, 21. Januar 2018

Das Teutsche Volkslied – Lieder aus 8 Jahrhunderten

Heute waren T & T Wollner zu Gast im Gemeindezentrum von St. Jakobi in Schönebeck. Im Programm hatten sie "Lieder aus Teutschen Landen" – Volkslieder aus 8 Jahrhunderten, von Walter von der Vogelweide bis ins 20. Jahrhundert. 
Tabea Wollner – Gesang, Flöte, Ukulele, Trommel, Mundharmonika
Tobias Wollner – Gesang, Klavier, Trommel

Beide Wollners kommen schlicht und überwiegend schwarz gekleidet auf die Bühne, er im Frack mit weinroten Ärmelaufschlägen und mit Zylinder auf dem Kopf, sie in einem mit Papierstreifen drapierten schwarzen Reifrock. Dem Publikum stellen sie sich als zwei in Volksliedern immer wieder vorkommende Figuren vor: er als Linde, sie als Brunnen.

Ihr Programm beginnen sie mit zweistimmigem Gesang, alte Lieder aus dem Mittelalter, begleitet von Flöte, Akkordeon und Schellentrommel. Unter der Linde singt die Nachtigall, tandaradei. Am Brunnen möcht' ich sitzen, tandaradei. Und das Röslein auf der Heide möcht nicht gebrochen sein. Von Beginn an ist deutlich: das Programm ist keine Folge von Volksliedern in der Form, wie man sie aus dem Schulbuch kennt. Die Wollners mischen in ihrem Programm ganz alte Lieder mit solchen aus der Romantik, sie variieren die Melodien, interpretieren die Lieder neu und hinterfragen in ihren Moderationen und Dialogen die Geschichte der Lieder. Da mischen sich – für das Publikum zum mitsingen auf Liedzettel gedruckt – Paul Gerhardts "nun ruhen alle Wälder" und Matthias Claudius' "der Mond ist aufgegangen" in einer einzigen Melodie.