Donnerstag, 20. März 2014

Jeder Mensch braucht einen Engel

Passend zur gegenwärtigen Ausstellung im Gemeindehaus der St.-Jakobi-Gemeinde Schönebeck stellte die Autorengruppe des Treff ihre bereits vor einiger Zeit unter dem Titel „Jeder Mensch braucht einen Engel“ entstandenen Engelsgeschichten in einer Lesung vor. Inspirationsquelle waren die Engelsbilder von Eva Maria Heseler in der Plötzkyer Kirche. Jeder der Dichter suchte sich ein Bild aus und schrieb etwas dazu. So entstanden Geschichten, die mal traurig, mal heiter und fröhlich daherkommen. Die Engel selbst standen darin oft eher im Hintergrund, etwa wenn eine vom Leben verbitterte Frau einem Kind im Waisenhaus eine Freude macht oder wenn indische Kinder Freude an vorgelesenen Geschichten finden. Es waren eben Geschichten von, wie Victoria Gehricke in ihrer Moderation sagte, "Engel, diesen zarten und doch so zupackenden Wesen".
Zur Lesung paßte auch ein Gedicht, daß Traudel Schallehn vorlas – geschrieben von ihrer Enkelin in der 1. Klasse: "Engelchen, laß uns spielen.

Wolfgang Strasburg begleitete die Lesung mit kleinen Gitarrenstücken.
(v.l.n.r.) Victoria Gehricke, Angelika Musche,
Carola Lehmann, Traudel Schallehn, Lutz Reiter von der
Autorengruppe des Treff und Wolfgang Strasburg (Gitarre)


Freitag, 14. Februar 2014

Eine schöne weiße Chrysantheme

Valentinstags-Konzert mit T & T Wollner: „Eine schöne weiße Chrysantheme“
Ein Konzert mit Liedern der 20er und 30er Jahre.

Zu den Klängen von "Sing, Nachtigall, sing"
kamen die Brüder Wollner auf der Bühne.

Der Kulturverein KuK 26 hatte zum Valentinstags-Konzert in diesem Jahr T & T Wollner eingeladen. Die beiden Künstler sind keine unbekannten in der hiesigen Kulturszene, und so war der Gemeindesaal von St. Jakobi bis auf den letzten Platz besetzt, waren sogar alle Reservestühle aufgebraucht. T & T Wollner kamen diesmal als „die Brüder Wollner“ auf die Bühne: zwei Herren mit dünnem Oberlippenbart, gekleidet im Stil der 1920er Jahre, mit weißem Schal und einer weißen Chrysantheme am Revers. Aus dieser Zeit stammten auch die Schlager, Lieder von den Commedian Harmonists und anderen Gesangsstars der Zeit. Lieder, die mal sentimental, mal lustig daherkamen, gesungen überwiegend von Tabea Wollner, am Klavier begleitet von Tobias Wollner. Auch die Beteiligung des Publikums klappte erstaunlich gut, etwa beim Lied „Haben Sie schon mal im dunkeln geküßt?“

Nach der Pause dann eine völlig andere Konstellation: Tabea Wollner steht als Diva der 30er Jahre auf der Bühne, mit großem Hut und eine Zigarette an langer Spitze zwischen den Fingern haltend. Diesmal mit Liedern von Marlene Dietrich und Zara Leander. Ihre deutliche vorgetragene Melancholie angesichts der fortschreitenden Zeit verleitet das Publikum zu Heiterkeit. Dabei kam das Programm keinesfalls als Parodie daher, denn Tabea Wollner beherrscht den Gesangsstil der damaligen Zeit perfekt und erweckte die alten Schlager mit ihrem mit schauspielerischem Können zu neuem Leben. Eher war es eine liebevolle Erinnerung an eine Zeit, die selbst die ältesten Gäste nicht mehr selbst erlebt haben. Dabei gab es durchaus auch Texte mit Augenzwinkern, etwa wenn sie an ihrer Zigarette zieht und von süßem schwerem Rauch singt: „noch etwas davon nasch’ ich“. Oder wenn die Diva davon singt, dass sie ein Vamp ist, der die Männer aussaugt und noch ganz andere Dinge mit ihnen anstellt.

Ihr 20er-Jahre-Programm „Eine schöne weiße Chrysantheme“ haben die Wollners schon seit 1997 im Repertoire. Allerdings nicht immer in gleicher Zusammenstellung, wie Tobias Wollner sagte. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder einige Texte ausgetauscht, sagte er und fügte hinzu „wir hatten das Programm eine Weile nicht gespielt, da machte es auch uns Spaß, die alten Lieder wieder hervorzuholen“.

HabenSie schon mal im Dunkeln geküßt?
(Wenn ich diese Hand hebe, dann sagen Sie
laut und deutlich "Ja")
Tabea und Tobias Wollner

Samstag, 25. Januar 2014

Wer braucht schon einen Engel

Unter dem Titel "Wer braucht schon einen Engel" präsentierten Bernhard Biller und Alexander Fabisch von der Theaterkompanie Leipzig ein Programm rund um das Thema Engel.

Die beiden Schauspieler betraten im Schein ihrer Taschenlampen den völlig dunklen Saal des Gemeindezentrums; eingespielte Geräusche von splitterndem Glas ließen auf einen Einbruch schließen. Kunstsammler (oder Kunsträuber?) Michael Müller (Bernhard Biller) war auf der Suche nach nicht mehr benötigten Engelsbildern, sein persönlicher Engel (Alexander Fabisch) folgte ihm als sein Schatten.

Engel sind von vielen Künstlern thematisiert worden, von Malern, wie den berühmten Italienern der Renaissancezeit (unter ihnen Raffael mit den Engeln in seiner berühmten Sixtinischen Madonna), ebenso wie von Dichtern wie Rilke und Grass oder von Musikern wie Bob Dylan oder den Phudys. Andererseits sind Engel durch die Verwendung in Werbung und Alltagsschmuck und durch ihre oft kitschige Gestaltung etwas in Misskredit geraten. Und so war, als der Kunstsammler ins Publikum fragte: "Und wie sieht's bei Ihnen aus – haben Sie Engel?", mancher geneigt, darauf mit "Nein" zu antworten. Als aber gleich darauf Müllers Schatten hinzufügte: "Sagen Sie dem nichts, der klaut Ihnen auch Ihren Weihnachtsschmuck", war wohl jedem spätestens an der Stelle wieder klar: spätestens Weihnachten hat wohl jeder den einen oder anderen Engel zu Hause.

Biller und Fabisch hatten ihr Programm zusammengesetzt aus einer ganzen Reihe von Texten aus Literatur und Musik, die jedoch nicht einfach so rezitert wurden. So plauderten sie teilweise scheinbar belanglos (und dennoch fachkundig: "zum Beispiel ist dieser Engel von Chagall. Erkennbar an der überwiegend blauen Farbe und dem typischen russischen Dorf am oberen Bildrand") über ein Bild, und bauten dann unversehends den Text eines Gedichtes oder ein Prosastück in ihr Programm ein.

Der Reiz des Programms bestand darin, daß die Texte durch die Verteilung auf die beiden Personen gleichsam neu zusammengesetzt wurden und sich dadurch zu einem zu einem Theaterstück zusammenfügten. Das eigentliche Thema fand, wenn auch durch die Wahl der Texte immer präsent, dennoch eher im Hintergrund statt, als Kette von Gedanken, die durch die Anordnung der Texte bei den Zuhörern assoziiert wurden.

Das Programm klang wie dessen Beginn im Dunkeln aus, als Biller und Fabisch hinter einer rückseitig rot angestrahlten Leinwand agierten und ihre Hände und Körper zu einem geheimnisvollen Schattenspiel wurden.

Alexander Fabisch
Bernhard Biller

(Text + Foto: Thoralf Winkler)