Sonntag, 13. September 2020

Klara vom Querenberg

Melodien zwischen Irland und Mittelalter, meditative Klänge und Gesang, in diesem Umfeld bewegte sich Klara vom Querenberg in ihrem Konzert in der St.-Jakobi-Kirche am Nachmittag des Gemeindefestes.

Klara vom Querenberg an der Harfe

Klara vom Querenberg brachte neben der irischen Harfe eine ganze Reihe ungewöhnlicher Instrumente mit nach Schönebeck, viele davon Nachbauten sehr alter Instrumente, deren Namen und Aussehen wohl nur Freunden der Alten Musik und Anhängern des Mittelalters geläufig sind. Dazu gehörte das mit Schlegeln gespielte Hackbrett, das mit den Fingern gezupfte Monochord, die Cantele, das mit dem Bogen gestrichene Psalterium, eine Bordun-Drehleier und ein Orgelportativ, eine kleine tragbare Orgel, deren Blasebalg von Hand betätigt wurde und auch ein Glockenspiel. Begleitet wurde sie dabei von ihrem Mann Thomas, der selbst viele der Instrumente zur Hand nahm. Musik zwischen irischen Volksweisen und Choralmusik des Mittelalters. Die Erfurter Musikerin begann mit dem zu den perlenden Klängen der Harfe gespielten Lied "The last rose of summer" – wenn man so will einem Hit der irischen Musik, den es in vielfacher Ausführung gab. Ihre Interpretation des Liedes war leise, ein wenig melancholisch. "Möge das Lied meiner Harfe Euch gut tun", begrüßte sie das Publikum, "denn die Musik entspringt Gottes Quelle. Seid so wie das Schwingen einer Saite, die gespannt ist zwischen Himmel und Erde." Um die meditative Stimmung der Musik nicht zu stören, bat sie das Publikum nach ihrem ersten Lied darum, auf Applaus zu verzichten.

Passend zur Jahreszeit stellte sie den Herbst thematisch in den Mittelpunkt, die Zeit des zur Ruhe kommen, des Abschied nehmen vom Sommer. So handelte dann auch ein weiteres Lied vom Abschied, diesmal von einer geliebten Person, die vor einem selbst die Erde verließ. 

Interessant war eine Interpretation des Liedes "Scarborough Fair", das wohl alle im Publikum von Simon & Garfunkel gesungen kannten. Klara von Querenberg stellte dem Lied eine Erklärung des Textes voran, der eine Zauber- und eine Liebesgeschichte enthält, von zauberhaften Heilkräutern handelt und von einem Liebespaar, das wieder zusammenfindet. 

Später geht Klara zurück in der (Musik-)Geschichte, schreitet eine kleine Harfe spielend und ein mittelalterliches Marienlied singend durch den Gang der Kirche oder singt – passend zur Kirche St. Jakobi "Cantemus Dominem", ein altes Jacobslied. Zum Mittelalterpasste auch Hildegard von Bingen, die eben nicht nur eine Mystikerin und Heilerin war, sondern auch eine Komponistin. "77 Stücke von ihr sind überliefert", erklärt Klara dazu, und wählt für das Programm ein "Lied von der Grünkraft". Dem Publikum empfahl sie dieses Lied als Mittel gegen Trübsal und Melancholie. "Geh auf eine Wiese und schaue auf das sprießende Grün, solange bis deine Augen wie von Tränen feucht werden". 

Angesichts der unübersehbaren Vorkehrungen gegen Corona – das Publikum saß auf Abstand zueinander – sprach Klara vom Querenberg  über ihre Gedanken dazu. Sie machte das beste aus dieser Zeit und nutzte sie für ihre Musik, ihre Kreativität. "Im Frühjahr, als alles besonders voll von Ungewissheit war, schrieb ich ein Lied darüber", sagte sie. Und sang dann "Angstfrei", in dem es am Anfang heißt "O Herr, lass mich eine Harfe sein, mein Leben wär' dann ein Gebt / das angstfrei sich zum Himmel schwebt". 

Wo stammt die Musik her, wollte ich nach dem Konzert von der Musikerin wissen, wie entstehen die Arrangements? "Vieles habe ich aus originalen Unterlagen übertragen, die es in Bibliotheken gibt, einige habe ich auch selbst als Faksimile-Druck", erklärt Klara von Querenberg, und berichtet dann davon, dass sie nicht einfach nur Musik, sondern auch Theologie und an der Folkwang-Universität Frühe Musik studierte. Aus den fundierten musikalischen Kenntnissen ergab sich eine interessante Diskussion, als ich nach der Akustik der Schönebecker Kirche fragten und wie es sich mit dem Hall verhalte. "Die Akustik hier in der Kirche ist sehr gut", sagte sie, "in den großen gotischen Kirchen ist der Hall viel stärker". Und sie erklärt weiter, "die frühe Mehrstimmigkeit ergab sich genau aus dem Hall der Kirche, der Töne nachklingen ließ, während schon die nächsten angestimmt wurden". Dazu gab sie dann gleich eine kleine Lektion in gregorianischen Gesang, stimmte kurze Stücke eines Chorals an und ließ die Töne durch die Kirche schweben. Eine Besucherin war beinahe etwas enttäuscht, als sie hörte, wie viel Fachwissen in der Musik verborgen ist: "ich dachte, das käme alles so aus dem Gefühl heraus", sagt sie. Klara von Querenberg erklärte, dass diese gregorianische Musik schon damals die Musik von Fachleuten war, von Mönchen, die sich damit beschäftigten. Mit dem einfachen Volk gab es dann auch Wechselgesang, bei dem sich der Choral der Mönche mit volksliedhaften, tänzerischen Melodien abwechselte. Auch gab es schnell gesungen ein paar Beispiele.

Klara und Thomas führten das Publikum mit Texten
zum Hintergrund der Musik, aber auch mit Gedichten
und Segenswünschen durch das Programm.
Zur Corona-Vorbeugung saßen alle Besucher
mit Abstand im weiten Kirchenraum.

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